Neues PSG-Stadion: Parc des Princes, Massy oder Poissy?
Parc auf 70 000 Plätze ausbauen oder neues 90 000er-Stadion in Massy oder Poissy: Stand der PSG-Stadionfrage und was sie für Fans aus der Schweiz heisst.
Eigentlich wollte PSG diesen Herbst über sein künftiges Stadion entscheiden. Daraus wird nichts, zumindest nicht endgültig. Laut AFP will der Klub in den kommenden Wochen einen «prioritären» Standort bekannt geben und danach Machbarkeitsstudien starten, die lange dauern können. Drei Kandidaten sind noch im Rennen: ein ausgebauter Parc des Princes und zwei Gelände im weiten Umland, in Massy und in Poissy. Für Fans aus Zürich geht es um ganz Konkretes: die Fahrzeit ab Gare de Lyon und die Heimreise nach einem Abendspiel.
Warum PSG ein grösseres Stadion will
Der Parc fasst 48 000 Plätze, die bei fast jedem Spiel ausverkauft sind. Er bringt schon heute über 170 Millionen Euro pro Saison, bei einem Budget von rund 880 Millionen. Dem Klub reicht das nicht: Die TV-Gelder der Ligue 1 sind tief, und die europäische Konkurrenz wächst. Barcelona und Manchester United peilen in zehn Jahren über 100 000 Plätze an. PSG will zudem Eigentümer seines Stadions werden. In einen Parc, der der Stadt Paris gehört, will der Klub nicht gross investieren.
Variante 1: den Parc auf 70 000 Plätze ausbauen
Laut Quellen aus dem Umfeld des Dossiers ist das «ausser bei einer Überraschung» die bevorzugte Lösung. Das politische Umfeld hat sich geändert: Emmanuel Grégoire, seit März Bürgermeister von Paris, hat im April die seit 2023 blockierten Gespräche wieder aufgenommen. Der Pariser Stadtrat hat ihn beauftragt, PSG im Parc zu halten, per Verkauf oder sehr langem Baurecht. Im Rathaus hält man den Ausbau für «technisch glaubwürdig».
Die Hürden bleiben. Im dicht bebauten 16. Arrondissement von 48 000 auf 70 000 Plätze zu wachsen, ist eine bauliche Herausforderung. Und Sophie Taillibert, Tochter des Architekten Roger Taillibert, hat bereits Bedenken zur Integrität des 1972 eröffneten Baus angemeldet. Die Ultras haben sich entschieden: Das Collectif Ultras Paris zeigte beim Spiel gegen Le Mans Spruchbänder für den Parc.
Variante 2: Massy, die ÖV-Lösung
Im Département Essonne südlich von Paris sind 80 000 bis 90 000 Plätze auf einem rund 20 Hektar grossen Einkaufsareal rund um einen Hypermarkt geplant. Massy ist gut erschlossen: RER B und C, ein TGV-Bahnhof, das Tram T12 und später die Linie 18 des Grand Paris Express. Allerdings liegt das Gelände fast zwanzig Gehminuten von den RER-Stationen entfernt, und mehrere Anwohnergruppen wehren sich bereits gegen das Projekt.
Variante 3: Poissy, neben dem Campus
Im Département Yvelines westlich von Paris würde das Stadion mit gleicher Kapazität auf einem Teil des Stellantis-Werks entstehen. Dort hat der Klub bereits sein Trainingszentrum, den Campus PSG. Das Gelände bietet viel Platz für Parkplätze, liegt aber weit vom Pariser Zentrum entfernt. Bürgermeisterin Sandrine Berno Dos Santos stellt Bedingungen: Erhalt der Industrie, Mitsprache der Bevölkerung, gesicherte Erreichbarkeit und Sicherheit.
Was jeder Standort für Fans aus Zürich bedeutet
Der TGV Lyria kommt an der Gare de Lyon an. Von dort sind es ungefähr:
- Parc des Princes: rund 40 Minuten mit der Metro (Linie 1, dann Linie 9). Alles bleibt wie heute.
- Massy: rund 45 Minuten mit dem RER über Châtelet und den RER B, dann knapp zwanzig Minuten zu Fuss. Massy hat zwar einen TGV-Bahnhof, doch die TGV Lyria aus der Schweiz halten dort nicht.
- Poissy: rund 50 Minuten mit dem RER A, direkt ab Gare de Lyon. Die Verlängerung des RER E nach Westen soll die Anbindung verbessern.
Das eigentliche Problem bleibt die Rückfahrt. Der letzte direkte TGV Lyria nach Zürich fährt gegen 18.22 Uhr ab, lange vor einem Spiel um 21 Uhr. Übernachten müssen Sie in Paris also bei jedem Standort. Nach einem Spiel in Massy oder Poissy brauchen Sie aber eine Stunde länger bis ins Hotel, in vollen Zügen. Wie es heute läuft, steht in unserem Ratgeber zum Parc des Princes.
Der Zeitplan: nichts vor mehreren Jahren
Am 13. Oktober tagte ein Lenkungsausschuss in Poissy, am 16. Oktober in Massy und Paris. Der prioritäre Standort soll je nach Quelle zwischen Ende Oktober und Weihnachten verkündet werden. Danach folgen Baubewilligungen, allfällige Einsprachen und der Bau. Laut L'Équipe dauern alle Verfahren zusammen sechs bis zehn Jahre. So lange spielt PSG weiter im Parc des Princes.
Der Vorstand verfolgt die Ankündigung und aktualisiert diesen Artikel. Bis dahin finden Sie die nächsten Heimspiele im Spielplan und die Reisen und Watch-Partys des Klubs in der Agenda. Noch nicht Mitglied? Jetzt beitreten.